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Ein Salesianer unter Hitlers Terror – das Glaubenszeugnis von P. Theodor Hartz

Zum 75. Mal jährt sich in diesem Jahr der Todestag des Salesianerpriesters Theodor Hartz. Er war ein vielfältig engagierter Jugendseelsorger im Geist des hl. Johannes Bosco, dessen Wirken durch die gegen die Freiheit der Kirche gerichteten Maßnahmen des Nationalsozialismus ein jähes Ende fand. Sein Widerstand gegen die Übergriffe des staatlichen Terrors brachte ihn ins Konzentrationslager Dachau, wo er schließlich am 23. August 1942 den fortwährenden Misshandlungen erlag. Die Kirche Deutschlands zählt ihn zu den Märtyrern des 20. Jahrhunderts.

„In unserem Jahrhundert sind die Märtyrer zurückgekehrt, häufig unbekannt, gleichsam ‚unbekannte Soldaten‘ der großen Sache Gottes. Soweit als möglich dürfen ihre Zeugnisse in der Kirche nicht verloren gehen“, schrieb Papst Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben „Tertio Millennio Adveniente“ vom 10. November 1994. Sein Appell, sich der Märtyrer zu erinnern und ihr Gedächtnis zu bewahren, hat nichts von seiner Aktualität verloren. Im Gegenteil – es ist noch dringlicher geworden: Denn die Ausgrenzung, Benachteiligung und Verfolgung von Christen in vielen Ländern unserer Welt hat heute, mehr als 20 Jahre später, noch einmal mehr ungeahnte und erschreckende Dimensionen angekommen. Über 200 Millionen Christen gelten heute weltweit als verfolgt, so viele wie wohl nie zuvor. Umso wichtiger ist es, dass wir die Geschichten derer, die für die Freiheit der Religion und des Gewissens, für das Evangelium und ihren Glauben an Jesus Christus gelitten haben bzw. leiden, erinnern und erzählen.

Einer von ihnen war der Salesianerpriester P. Theodor Hartz, der am 23. August 1942 an den Folgen seiner Inhaftierung im Polizeigefängnis in Trier und im Konzentrationslager in Dachau gestorben ist. Auch er hat auf seine Weise in einer für die Kirche und das Werk Don Boscos überaus bedrängenden Zeit gegen die nationalsozialistische Willkür Widerstand geleistet und sich stark gemacht für die Freiheit des Glaubens und der Kirche. Es ist eine historische Tatsache, dass Adolf Hitler ein Reich ohne Christentum und Kirche zu schaffen suchte, das auf dem neuheidnischen „Glauben“ von Blut, Rasse und Boden aufgebaut sein sollte. Schritt um Schritt drängten er und seine Helfershelfer nach der Machtergreifung am 30. Januar 1933 den Einfluss der Kirchen und des christlichen Glaubens zurück. So kann es nicht wundern, dass katholische und evangelische Geistliche zu den am meisten verfolgten Gruppen der Nazis zählten. Allein im KZ Dachau waren unter den über 200.000 Gefangenen insgesamt 2.796 Geistliche aus 19 europäischen Ländern interniert, die meisten von ihnen waren Polen und Deutsche. Von ihnen starben rund 1.800, unter ihnen auch P. Theodor Hartz.

Lebenslauf

Hartz stammte aus einer Oldenburger kinderreichen Kleinbauernfamilie. Am 2. Januar 1887 wurde er in dem Ortsteil Amerbusch des Dorfes Lutten (heute Gemeinde Goldenstedt) geboren. Seine Eltern waren Johann Theodor Hartz und Anna Maria, geb. Kröger. Seit 1866 bewirtschafteten sie einen 14 Hektar großen Hof mit kargem Boden. Aus seinen Kinder- und Jugendjahren liegen nur spärliche Quellen vor. Er besuchte die Volksschule seines Heimatdorfes. Nach den vier Grundschuljahren wechselte er auf das Gymnasium Antonianum im etwa zehn Kilometer entfernten Vechta. Vermutlich erst nach einem zweiten Versuch ist ihm der Erwerb des so genannten „Einjährigen“ gelungen, das später auch als „Mittlere Reife“ bezeichnet wurde. Sein Wunsch, Priester zu werden, führte ihn in das Spätberufenenseminar der Salesianer Don Boscos im italienischen Penango. 1908 trat er in die Ordensgemeinschaft ein, 1914 wurde er zum Priester geweiht. Von Anfang an half er maßgeblich mit, das Werk Don Boscos im deutschen Sprachraum aufzubauen, zunächst in Wien, dann in Ensdorf in der Oberpfalz. 1924 wurde er Direktor der neu gegründeten Niederlassung in Essen-Borbeck, die er zur Spätberufenenschule ausbaute.

Sehr bald nach der Machtergreifung geriet er in den Fokus der Geheimen Staatspolizei, die sein Telefon und seine Post überwachte und ihm Sittlichkeits- und Devisenvergehen zu unterstellen suchte. 1938 wurde P. Hartz für zwei Jahre Leiter des Studienhauses in Benediktbeuern und kehrte Anfang 1941 als Direktor nach Essen zurück. Die fortgesetzten Schikanen der Nazis gegen die Jugendarbeit der Salesianer mündeten am 5.8.1941 in der gewaltsamen Beschlagnahmung des St.-Johannesstiftes. Binnen weniger Stunden hatten die Salesianer Essen zu verlassen und mussten sich in das Salesianerhaus Helenenberg bei Trier begeben. P. Hartz protestierte gegen diese Maßnahme und betrachtete sich auch weiterhin als Direktor des Essener Hauses.

Ein von der Gestapo abgefangener Brief, den er an eine Wohltäterin, die sich über das Ausbleiben eines Dankeswortes auf ihre Spende hin verwundert gezeigt hatte, geschrieben hatte, um ihr die neue Situation zu erklären, wurde ihm zum Verhängnis. Hartz antwortete ihr: „Hierdurch teile ich Ihnen mit, dass am 5. August 1941 das St. Johannesstift der Salesianer Essen-Borbeck von der Geheimen Staatspolizei geschlossen worden ist. In wenigen Stunden mussten wir das Haus verlassen. Das Bargeld wurde beschlagnahmt und das Postscheckkonto Essen 15500 gesperrt. Wenn Sie seit dem obigen Datum Einzahlungen gemacht haben sollten, so ist das der Grund, dass Sie keine Antwort erhalten haben. Ich werde Sie auch in Zukunft bei der Hl. Messe nicht vergessen.“

Zeugen für Christus

Am 5. Juni 1942 ordnete das Reichssicherheitshauptamt in Berlin gegen Theodor Hartz die Schutzhaft und Überführung in das Konzentrationslager Dachau mit folgender Begründung an: Er habe „das Aufenthaltsgebot der dortigen Dienststelle (gemeint ist das Geheime Staatspolizeiamt Düsseldorf) nicht beachtet und unter Umgehung des Sammlungsgesetzes durch Verbreiten von Rundschreiben staatsabträglichen und volksverdummenden Inhalts an die Gebefreudigkeit seiner Glaubensgenossen appelliert. Ferner ließ Hartz durch sein Verhalten erkennen, dass er nicht gewillt ist, behördliche Anordnungen zu befolgen.“ Diese Anordnung der nationalsozialistischen Bürokratie beschreibt die innere Einstellung des Bekenners Theodor Hartz. Sie legt offen, dass er in der Verwaltung seiner Ämter als Ordensmann die unrechtmäßige, selbsternannte staatliche Autorität nicht anerkannt hat. 

Die Überführung nach Dachau erfolgte vom 24. bis 26. Juni 1942 mit einem Bahntransport unter entwürdigenden hygienischen Bedingungen und mit mangelhaften Essensrationen. Mit der Gefangenen-Nummer 30660 war er bis zu seinem frühen Tode am 23. August 1942 Häftling im Priester-Block 24. 

P. Theodor Hartz hat auf seine Weise in einer für die Kirche und das Werk Don Boscos überaus bedrängenden Zeit gegen die nationalsozialistische Willkür Widerstand geleistet und sich stark gemacht für die Freiheit des Glaubens und der Kirche. Es ist Ausdruck der kirchlichen Anerkennung seines Zeugnisses, dass er in das im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz erstellte und von Helmut Moll herausgegebene deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts „Zeugen für Christus“ (1999, 6. erw. Aufl. 2015) aufgenommen wurde. Mit diesem Werk hat die deutsche Kirche den oben erwähnten Anstoß von Papst Johannes Paul II. eindrucksvoll aufgegriffen. P. Hartz zählt seitdem (sozusagen offiziell) zu den etwa 900 exemplarischen Blutzeugen der deutschen Kirche des letzten Jahrhunderts und nach einem Wort von Papst Johannes Paul II. zu den „‘unbekannten Soldaten‘ der großen Sache Gottes“.

Text: P. Reinhard Gesing SDB, P. Johannes Wielgoß SDB

 

Publikationstipp

P. Johannes Wielgoß SDB
P. Theodor Hartz SDB (1887 - 1942)
Direktor in Essen Borbeck und in Benediktbeuern
Ein Opfer nationalsozialistischer Verfolgung
Benediktbeurer Schriftenreihe Nr. 46

Zum 75. Mal jährt sich im Jahr 2017 der Todestag des Salesianerpriesters Theodor Hartz. Er war ein vielfältig engagierter Jugendseelsorger im Geist des hl. Johannes Bosco, dessen Wirken durch die gegen die Freiheit der Kirche gerichteten Maßnahmen des Nationalsozialismus ein jähes Ende fand. Sein Widerstand gegen die Übergriffe des staatlichen Terrors brachte ihn, wie 3.000 andere Priester und Ordensleute, ins KZ Dachau, wo er schließlich am 23. August 1942 den fortwährenden Misshandlungen erlag. Die Kirche Deutschlands zählt ihn zu den Märtyrern des 20. Jahrhunderts. In diesem Heft werden sein Lebensweg und sein Glaubenszeugnis vorgestellt und Impulse gegeben, seiner zu gedenken.

Die Publikation kann - soweit vorrätig - beim ISS in Benediktbeuern bestellt werden.

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